The Rolling Stones – Foreign Tongues: Rezension

Albumcover von The Rolling Stones – Foreign Tongues mit surrealer Porträtcollage auf rosarotem Hintergrund.

The Rolling Stones – Foreign Tongues: Rezension des neuen Albums

Mit „Foreign Tongues“ setzen The Rolling Stones ihre bemerkenswerte kreative Spätphase fort. Nur wenige Jahre nach dem erfolgreichen Album „Hackney Diamonds“ präsentieren Mick Jagger, Keith Richards und Ronnie Wood erneut eine umfangreiche Sammlung neuer Songs. Dabei klingt die Band keineswegs so, als wolle sie lediglich ihre eigene Vergangenheit verwalten. Stattdessen treffen Blues, Rock ’n’ Roll, Country, Funk und Soul auf eine moderne, ausgesprochen druckvolle Produktion.

„Foreign Tongues“ erschien am 10. Juli 2026, umfasst 14 Songs und erreicht eine Spielzeit von rund 62 Minuten. Produziert wurde das Album erneut von Andrew Watt, der bereits „Hackney Diamonds“ betreut hatte. Ein großer Teil der Aufnahmen entstand innerhalb weniger Wochen in den Metropolis Studios im Westen Londons.

Obwohl „Foreign Tongues“ in vielerlei Hinsicht als Schwesteralbum von „Hackney Diamonds“ verstanden werden kann, wirkt es rhythmisch abwechslungsreicher und teilweise ungestümer. Besonders die Gitarren von Keith Richards und Ronnie Wood stehen häufiger im Mittelpunkt. Gleichzeitig bleiben die eingängigen Refrains und die moderne Verdichtung des Sounds deutlich hörbar.

Albumcover: The Rolling Stones – „Foreign Tongues“, © 2026, Quelle: Spotify, alle Rechte beim Rechteinhaber

Zwischen Tradition, Gegenwart und Altersweisheit

Der Albumtitel „Foreign Tongues“ klingt zunächst nach musikalischer Weltoffenheit und stilistischen Grenzüberschreitungen. Tatsächlich bleiben The Rolling Stones jedoch überwiegend bei den Genres, die sie seit mehr als sechs Jahrzehnten geprägt haben: Chicago-Blues, amerikanischer Country, Gospel, Soul, Funk und geradliniger Rock ’n’ Roll.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Band nur selbst kopiert. Mehrere Texte beschäftigen sich mit dem Älterwerden, politischen Enttäuschungen, Macht, Begehren und persönlichen Abhängigkeiten. Mick Jagger präsentiert sich dabei bissig, humorvoll und erstaunlich beweglich. Keith Richards übernimmt wie gewohnt einen ruhigeren Gesangspart, während Ronnie Wood vor allem mit charaktervollen Soli Akzente setzt.

Andrew Watts Produktion ist groß, laut und ausgesprochen präsent. Das Schlagzeug besitzt enormen Druck, die Gitarren sind breit aufgefächert und Jaggers Stimme steht sehr weit vorne. Gelegentlich wirkt diese Bearbeitung fast zu glatt oder zu massiv. Dennoch transportiert sie eine Energie, die aus „Foreign Tongues“ weit mehr als ein nostalgisches Alterswerk macht.

The Rolling Stones – Foreign Tongues: Alle Songs in der Einzelkritik

1. Rough and Twisted

„Rough and Twisted“ eröffnet das Album mit einem schweren, knurrenden Blues-Riff. Bereits die ersten Takte vermitteln das Gefühl einer Band, die nicht lange erklären möchte, weshalb sie noch immer da ist. Stattdessen geht es direkt zur Sache.

Keith Richards bezeichnete den Song als natürlichen Opener mit deutlichem Chicago-Blues-Charakter. Mick Jagger ergänzt das Arrangement mit einer rauen Mundharmonika, während das Schlagzeug den Song schwerfällig und zugleich kraftvoll nach vorne schiebt.

Im Refrain öffnet sich die ansonsten schmutzige Produktion etwas stärker. Dadurch entsteht ein interessanter Gegensatz zwischen ursprünglichem Blues und moderner Stadionrock-Dramaturgie. Obwohl „Rough and Twisted“ keine revolutionäre Neuerfindung darstellt, funktioniert der Song als programmatischer Auftakt hervorragend: kantig, selbstbewusst und unverkennbar Stones.

2. In the Stars

„In the Stars“ setzt stärker auf Melodie und einen großen, unmittelbar zugänglichen Refrain. Das Gitarrenriff erinnert stellenweise an die geradlinigen Stones-Produktionen der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre. Gleichzeitig verleihen mehrstimmige Hintergrundgesänge dem Song einen modernen Pop-Rock-Charakter.

Inhaltlich verbindet Mick Jagger romantische Sehnsucht mit einem augenzwinkernden Blick auf das Älterwerden. Statt weiterhin von fernen Planeten und großen Abenteuern zu träumen, erscheint ein gemeinsamer Abend zu Hause plötzlich als attraktive Alternative.

Gerade dieser selbstironische Perspektivwechsel macht „In the Stars“ sympathisch. Der Song verleugnet das Alter seiner Urheber nicht, sondern verwandelt es in eine charmante Pointe. Musikalisch gehört das Stück zu den radiotauglichsten Momenten des Albums und dürfte sich auch für große Konzertbühnen eignen.

3. Jealous Lover

Mit „Jealous Lover“ tauchen The Rolling Stones tief in ihre funkige Vergangenheit ein. Ein federnder Rhythmus, ein reduziertes Keyboardmotiv und Jaggers Falsettgesang erinnern zwangsläufig an „Emotional Rescue“. Trotzdem wirkt der Song nicht wie eine bloße Kopie.

Mick Jagger entwickelte das Stück auf Basis eines einfachen, vorprogrammierten Drum-Machine-Beats. Gerade diese zunächst unspektakuläre Grundlage verleiht „Jealous Lover“ seinen lockeren Groove. Darüber legen sich Piano, Bass und rhythmisch präzise Gitarren.

Jaggers Falsett klingt erstaunlich sicher und wird nicht nur als Effekt eingesetzt. Vielmehr unterstreicht es die nervöse Eifersucht, von der der Text handelt. Deshalb lebt „Jealous Lover“ weniger von einem dominanten Gitarrenriff als von seiner geschmeidigen Rhythmik. Der Titel zählt zu den stärksten und modernsten Songs des Albums.

4. Mr Charm

„Mr Charm“ beginnt mit einem stampfenden Groove und einem beinahe gesprochenen Gesang. Jagger bewegt sich zwischen Rap, Sprechgesang und klassischer Rock-Phrasierung, während Richards ein scheinbar schlichtes, aber äußerst effektives Gitarrenlick beisteuert.

Der Song präsentiert seine Hauptfigur zunächst als selbstbewussten Verführer. Allerdings wird schnell deutlich, dass hier nicht nur mit dem traditionellen Image des alternden Rockstars gespielt wird. Jagger richtet seinen Spott ebenso gegen Superreiche, Größenwahn und die Idee, sich mit privater Raumfahrt ein Denkmal zu setzen. Dabei fällt auch eine ironische Anspielung auf Elon Musk.

Musikalisch bleibt „Mr Charm“ bewusst kompakt. Hi-Hat, Bass und Rhythmusgitarren greifen eng ineinander, sodass ein fast hypnotischer Groove entsteht. Der Song besitzt Humor, Biss und genügend Selbstironie, um nicht zur bloßen Prahlerei zu werden.

5. Divine Intervention

„Divine Intervention“ ist einer der energischsten Rocktitel auf „Foreign Tongues“. Die Gitarren von Keith Richards und Ronnie Wood verzahnen sich in jener typischen Spielweise, bei der Rhythmus- und Leadgitarre kaum voneinander zu trennen sind.

Inhaltlich beschäftigt sich Mick Jagger mit Weltuntergangsszenarien, düsteren Zukunftsprognosen und der menschlichen Neigung, selbst angesichts einer drohenden Katastrophe einfach weiterzufeiern. Dadurch besitzt der Song neben seinem leichtfüßigen Rock-Groove eine überraschend nachdenkliche Ebene.

Robert Smith von The Cure steuert Gitarren und Hintergrundgesang bei, während Steve Winwoods Orgel dem Arrangement zusätzliche Tiefe gibt. Dennoch klingt „Divine Intervention“ nie wie ein auf Gäste zugeschnittenes Prestigeprojekt. Vielmehr bleiben die Beiträge fest in den Bandsound eingebunden.

Vor allem im letzten Drittel wächst der Song deutlich über einen gewöhnlichen Rocker hinaus. Der Refrain wird dringlicher, die Gitarren werden dichter und Jaggers Gesang gewinnt an emotionalem Gewicht.

6. Ringing Hollow

Mit „Ringing Hollow“ wechselt das Album in einen melancholischen Country-Modus. Akustische Gitarren, Piano, Orgel und ein zurückhaltender Rhythmus erinnern an jene Phase der frühen 1970er-Jahre, in der die Stones Einflüsse von Gram Parsons, Honky-Tonk und amerikanischer Roots-Musik aufnahmen.

Zunächst klingt der Text wie eine klassische Trennungsgeschichte. Allerdings richtet sich die Enttäuschung nicht an eine einzelne Frau, sondern an die Vereinigten Staaten. Die Freiheitsstatue wird dabei zum Sinnbild für ein Land, das seine früheren Versprechen nicht mehr einlösen kann. Jagger und Richards beschrieben das Stück entsprechend als zärtlichen, aber ernüchterten Liebesbrief an Amerika.

„Ringing Hollow“ überzeugt besonders deshalb, weil die politische Aussage nicht über den Song gestellt wird. Die Kritik bleibt in eine glaubwürdige Country-Ballade eingebettet. Dadurch wirkt das Stück weder plakativ noch belehrend, sondern traurig, persönlich und erstaunlich verletzlich.

7. Never Wanna Lose You

„Never Wanna Lose You“ bringt Bewegung zurück in die Trackliste. Ein funkiger Bass, ein geradliniger Dance-Rock-Rhythmus und glänzende Keyboards verweisen auf die cluborientierte Seite der Stones. Erinnerungen an „Miss You“, „Dance“ oder die poppigeren Momente von „Some Girls“ sind kaum zu vermeiden.

Bassist Darryl Jones und Schlagzeuger Steve Jordan bilden ein besonders druckvolles Fundament. Zudem ist Bruno Mars mit einem bewusst unauffälligen Cowbell-Beitrag zu hören. Robert Smith steuert zusätzliche Klangfarben bei.

Der Song wirkt stellenweise stärker produziert als nötig. Gerade der Refrain ist sehr sauber auf maximale Eingängigkeit ausgerichtet. Dennoch funktioniert das Stück, weil die Rhythmusgruppe genügend Lebendigkeit bewahrt. „Never Wanna Lose You“ dürfte nicht jeden Blues-Puristen überzeugen, bringt aber eine wichtige stilistische Abwechslung in die Mitte des Albums.

8. Hit Me in the Head

Mit einer Länge von knapp drei Minuten ist „Hit Me in the Head“ der kürzeste und direkteste Titel des Albums. Die Gitarren klingen punkig, Jagger singt mit aggressiver Schärfe und das gesamte Arrangement verzichtet weitgehend auf Umwege.

Besondere Bedeutung erhält der Song durch Charlie Watts. Seine Schlagzeugspur wurde noch vor seinem Tod aufgenommen und gehört zu seinen letzten veröffentlichten Studioaufnahmen mit der Band. Watts spielt weder auffällig laut noch technisch demonstrativ. Dennoch verändert sein charakteristischer, leicht zurückgelehnter Groove sofort das gesamte Gefühl des Songs.

„Hit Me in the Head“ zeigt eindrucksvoll, wie stark der klassische Stones-Sound von kleinen rhythmischen Verschiebungen lebte. Der Song ist nicht nur ein sentimentaler Abschiedsgruß, sondern einer der schärfsten Rocktitel des Albums.

9. You Know I’m No Good

Eine Coverversion von Amy Winehouses „You Know I’m No Good“ gehört zu den unerwartetsten Entscheidungen auf „Foreign Tongues“. Statt einen weiteren Bluesstandard aus den 1950er- oder 1960er-Jahren auszuwählen, greifen die Stones einen vergleichsweise modernen Song auf.

Mick Jagger übernimmt den Text aus seiner eigenen Perspektive, ohne dessen selbstkritischen Charakter grundlegend umzuschreiben. Gleichzeitig ersetzt seine expressive Mundharmonika einen Teil der markanten Bläserwirkung des Originals. Schlagzeug, Bass und zusätzliche Bläser verleihen der Version einen schwereren, stärker bluesorientierten Groove.

Die Interpretation besitzt Mut, kann jedoch nicht vollständig mit der emotionalen Ambivalenz von Amy Winehouses Aufnahme konkurrieren. Jagger singt kraftvoll und genießt hörbar die Rolle des unzuverlässigen Erzählers. Dennoch wirkt die Produktion etwas zu groß, um die intime Selbstzerstörung des Originals vollständig einzufangen.

Als Hommage und stilistisches Experiment ist der Song trotzdem bemerkenswert.

10. Some of Us

Nach dem dichten Winehouse-Cover sorgt „Some of Us“ für einen deutlichen Stimmungswechsel. Keith Richards übernimmt den Leadgesang und präsentiert eine ruhige Mischung aus Country, Gospel und nächtlicher Rockballade.

Richards singt hörbar gealtert, allerdings liegt genau darin die Stärke des Stücks. Seine Stimme wirkt zerbrechlich und ehrlich. Der Text handelt von Abhängigkeit, Hingabe und Menschen, die bereit sind, für eine Beziehung auf die Knie zu gehen.

Nach Angaben von Richards existierte die Songidee bereits seit vielen Jahren, bevor sie ihre endgültige Form fand. Diese lange Reifezeit ist dem Stück anzumerken: „Some of Us“ benötigt keine spektakulären Wendungen, sondern lebt von Atmosphäre und Erfahrung.

Wie viele von Richards gesungene Stones-Balladen bildet der Song das ruhige emotionale Zentrum des Albums. Gerade nach mehreren sehr dicht produzierten Titeln wirkt diese Zurückhaltung ausgesprochen wohltuend.

11. Covered in You

„Covered in You“ beginnt mit einer dunklen, leicht schmutzigen Atmosphäre. Die Gitarren bleiben zunächst zurückhaltend, während Bass und Schlagzeug einen geradlinigen, fast punkigen Puls erzeugen.

Paul McCartney übernimmt den Bass und verzichtet dabei bewusst auf melodische Beatles-Verzierungen. Stattdessen spielt er einen einfachen, kraftvollen Part, der den Song konsequent nach vorne treibt. Keith Richards zeigte sich besonders von McCartneys Fähigkeit beeindruckt, sich auf diese reduzierte, raue Spielweise einzulassen.

Der prominente Gast drängt sich deshalb nicht in den Vordergrund. Vielmehr dient sein Bass der Spannung des Songs. Im Refrain öffnet sich das Arrangement deutlich, ohne seinen düsteren Unterton zu verlieren.

„Covered in You“ gehört zu den Stücken, die nicht sofort mit einem offensichtlichen Hook werben. Dafür wächst der Song mit jedem Durchlauf und entwickelt eine intensive, beinahe bedrohliche Wirkung.

12. Side Effects

„Side Effects“ verbindet einen treibenden Rock-Groove mit einem typisch doppeldeutigen Stones-Text. Ausgangspunkt waren laut Keith Richards die langen Warnhinweise in amerikanischen Fernsehwerbungen für Medikamente.

Im Song werden medizinische Nebenwirkungen, Drogen und eine zerstörerische Liebesbeziehung miteinander verknüpft. Abhängigkeit erscheint dadurch sowohl körperlich als auch emotional. Mick Jagger singt von Schweißausbrüchen, Stimmungsschwankungen und dem hohen Preis für alles, was man seinem Körper zuführt.

Ronnie Woods Gitarrenarbeit fällt hier besonders kantig aus. Gleichzeitig besitzt der Refrain eine fast unangemessen fröhliche Eingängigkeit. Genau dieser Gegensatz macht den Song interessant: Der Text beschreibt Kontrollverlust, während die Musik selbstbewusst und vital nach vorne marschiert.

„Side Effects“ gehört zu den stärksten Ohrwürmern der zweiten Albumhälfte.

13. Back in Your Life

Mit mehr als sechs Minuten ist „Back in Your Life“ das längste Stück des Albums. Der Song beginnt als zurückhaltende Soul-Ballade und steigert sich schrittweise zu einem großen Finale.

Inhaltlich erzählt Jagger von einer kurzen, intensiven Begegnung, nach der die andere Person plötzlich verschwindet. Die moderne Erfahrung des Ghostings wird dabei in die klassische Form einer Stones-Ballade übertragen. Jagger selbst betonte, dass gerade bei langsameren Songs Text, musikalischer Aufbau und Spannungsbogen besonders sorgfältig gestaltet werden müssten.

Das zentrale Ereignis ist Ronnie Woods Gitarrensolo. Ursprünglich spielte Wood eine ungefähr neunminütige Passage ein, die für die endgültige Version deutlich gekürzt wurde. Dennoch bleibt genügend Raum für ein emotionales, lyrisches Solo, das weniger durch Geschwindigkeit als durch Ton und Phrasierung überzeugt.

Manchen Hörern dürfte „Back in Your Life“ etwas zu lang und dramatisch erscheinen. Allerdings liefert der Song genau jene große Soul-Rock-Geste, die gegen Ende eines umfangreichen Stones-Albums nicht fehlen darf.

14. Beautiful Delilah

Zum Abschluss kehren The Rolling Stones zu ihren musikalischen Ursprüngen zurück. „Beautiful Delilah“ stammt von Chuck Berry und wird in einer bewusst rauen, weitgehend reduzierten Fassung präsentiert.

Die Aufnahme klingt eher nach einer spontanen Session als nach einer aufwendig produzierten Studioversion. Akustische Instrumente, ein erdiger Rhythmus und eine fast beiläufige Gesangsdarbietung schaffen deutlichen Abstand zum massiven Sound der vorherigen Songs.

Die Wahl ist von großer symbolischer Bedeutung. Die gemeinsame Begeisterung für Chuck Berry gehörte zu den musikalischen Verbindungen zwischen Mick Jagger und Keith Richards, lange bevor die Rolling Stones gegründet wurden. Deshalb schließt „Beautiful Delilah“ den Kreis zur Frühgeschichte der Band.

Nach mehr als einer Stunde moderner Produktion wirkt dieser ungeschliffene Abschluss beinahe befreiend. Die Stones verabschieden sich nicht mit einer bombastischen Hymne, sondern mit jener Musik, die sie ursprünglich zusammengebracht hat.

Das Albumcover von The Rolling Stones – Foreign Tongues

Das Cover von „Foreign Tongues“ wirkt bewusst unruhig und fragmentiert. Vor einem kräftigen rötlichen Hintergrund befindet sich ein malerisch gestaltetes Porträt, dessen Gesicht horizontal in mehrere gegeneinander verschobene Bereiche zerlegt wurde. Dadurch passen Augen, Nase und Mund nicht mehr vollständig zusammen. Darüber stehen der Bandname und der Albumtitel in leuchtendem Gelb, wobei die sachlichere Blockschrift des Bandnamens mit dem wesentlich raueren Schriftzug von „Foreign Tongues“ kontrastiert.

Die zerschnittene Darstellung lässt sich hervorragend mit dem Albumtitel verbinden. „Foreign Tongues“ suggeriert unterschiedliche Sprachen, Ausdrucksformen und Perspektiven – und genau diesen Eindruck vermittelt auch das Cover. Eine einzelne Identität wird visuell in mehrere Ebenen aufgebrochen. Gleichzeitig sorgen die kräftigen Farben und die bewusst unperfekte Gestaltung dafür, dass das Artwork trotz seines modernen Collage-Charakters weiterhin nach Rock ’n’ Roll aussieht.

Die Gäste auf Foreign Tongues

Die Gästeliste von „Foreign Tongues“ liest sich prominent. Paul McCartney, Steve Winwood, Robert Smith, Chad Smith und Bruno Mars sind an verschiedenen Stellen beteiligt. Hinzu kommt die posthum veröffentlichte Schlagzeugaufnahme von Charlie Watts.

Erfreulicherweise entsteht daraus kein überladenes Allstar-Album. Die meisten Beiträge bleiben bewusst funktional. McCartney stärkt mit seinem Bass den Charakter von „Covered in You“, Winwoods Orgel erweitert mehrere Arrangements und Robert Smith fügt ungewöhnliche Klangfarben hinzu, ohne den Stones-Sound zu überdecken.

Die eigentlichen Hauptdarsteller bleiben deshalb Jagger, Richards und Wood. Besonders die Gitarrenarbeit wirkt auf „Foreign Tongues“ geschlossener und präsenter als auf „Hackney Diamonds“.

Produktion und Klangqualität

Andrew Watt setzt erneut auf einen modernen, stark verdichteten Rocksound. Schlagzeug und Bass besitzen enormes Gewicht, während Jaggers Gesang ausgesprochen deutlich im Vordergrund steht. Die Gitarren sind breit verteilt und behalten selbst in komplexen Arrangements ihre Konturen.

Allerdings hat diese Produktion auch Nachteile. Manche Refrains wirken sehr bewusst auf maximale Wirkung optimiert. Dynamische Abstufungen werden gelegentlich zugunsten von Lautheit und Druck reduziert. Insbesondere „Never Wanna Lose You“ und „Back in Your Life“ hätten von etwas mehr Luft profitieren können.

Auf der anderen Seite lässt die Produktion die Rolling Stones ungewöhnlich gegenwärtig erscheinen. „Foreign Tongues“ klingt nicht wie eine künstlich auf alt getrimmte Retroaufnahme. Das Album stellt klassische Stones-Elemente vielmehr in einen zeitgemäßen klanglichen Rahmen.

Fazit zur The Rolling Stones Foreign Tongues Rezension

„Foreign Tongues“ ist weder ein zweites „Exile on Main St.“ noch eine grundlegende Neuerfindung der Rolling Stones. Das Album muss jedoch auch keines von beidem sein. Stattdessen präsentiert es eine Band, die ihre musikalische Identität weiterhin mit erstaunlicher Energie ausfüllt.

Besonders überzeugend sind „Rough and Twisted“, „Jealous Lover“, „Divine Intervention“, „Ringing Hollow“, „Hit Me in the Head“, „Some of Us“ und „Side Effects“. Diese Songs zeigen unterschiedliche Seiten der Stones: Blues, Funk, Country, Punk, Soul und nachdenkliche Altersweisheit.

Nicht jeder Moment erreicht dieses Niveau. Das Amy-Winehouse-Cover bleibt diskutabel, einige Refrains wirken sehr deutlich für das große Stadion kalkuliert und Andrew Watts Produktion ist stellenweise beinahe zu massiv. Trotzdem besitzt „Foreign Tongues“ kaum echten Leerlauf.

Vor allem klingt das Album nicht nach einer Band, die nur noch an ihrem Vermächtnis arbeitet. Mick Jagger, Keith Richards und Ronnie Wood reagieren weiterhin auf ihre Gegenwart, schreiben neue Songs und setzen sich mit dem eigenen Alter auseinander, ohne dabei in sentimentale Rückblicke zu versinken.

Sollte „Foreign Tongues“ tatsächlich eines der letzten Studioalben der Rolling Stones werden, wäre es ein würdiger Abschluss. Vieles auf dieser Platte deutet allerdings darauf hin, dass die Band selbst noch längst nicht so denkt.

Link zum Künstler/Artist: The Rolling Stones — Foreign Tongues: Studio Sounds

Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

FAQ zu The Rolling Stones – Foreign Tongues

Wann erschien Foreign Tongues von den Rolling Stones?

„Foreign Tongues“ wurde am 10. Juli 2026 veröffentlicht. Es handelt sich um das 25. Studioalbum der Rolling Stones und den Nachfolger von „Hackney Diamonds“.

Wie viele Songs enthält Foreign Tongues?

Die Standardausgabe umfasst 14 Songs und besitzt eine Gesamtspielzeit von rund 62 Minuten. Die Trackliste reicht vom Bluesrock-Opener „Rough and Twisted“ bis zur Chuck-Berry-Coverversion „Beautiful Delilah“.

Welche sind die besten Songs auf Foreign Tongues?

Zu den stärksten Titeln gehören „Rough and Twisted“, „Jealous Lover“, „Divine Intervention“, „Ringing Hollow“, „Hit Me in the Head“, „Some of Us“ und „Side Effects“. Welche Songs besonders überzeugen, hängt jedoch davon ab, ob man die bluesige, rockige oder ruhigere Seite der Band bevorzugt.

Welche Gastmusiker sind auf dem Album zu hören?

Unter anderem wirken Paul McCartney, Steve Winwood, Robert Smith, Chad Smith und Bruno Mars mit. Außerdem enthält „Hit Me in the Head“ eine vor seinem Tod aufgenommene Schlagzeugspur von Charlie Watts.

Welche Coverversionen befinden sich auf Foreign Tongues?

Das Album enthält zwei Coverversionen. „You Know I’m No Good“ stammt von Amy Winehouse. Der Abschlusssong „Beautiful Delilah“ wurde ursprünglich von Chuck Berry veröffentlicht.

Ist Foreign Tongues besser als Hackney Diamonds?

„Foreign Tongues“ wirkt insgesamt gitarrenlastiger, rhythmisch abwechslungsreicher und etwas ungestümer. „Hackney Diamonds“ besitzt dagegen einige besonders große Einzelmomente und eine kompaktere Dramaturgie. Wer den klassischen, raueren Stones-Sound bevorzugt, dürfte „Foreign Tongues“ leicht vorne sehen.

Ist Foreign Tongues das letzte Album der Rolling Stones?

Das Album wurde nicht offiziell als Abschiedswerk angekündigt. Aufgrund des Alters der Bandmitglieder wird diese Möglichkeit zwar häufig diskutiert, Mick Jagger hat jedoch bereits über weiteres neues Songmaterial gesprochen.

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