Electric Callboy – TANZNEID im Review: Zwischen Metalcore, Rave und maximaler Eskalation
Electric Callboy sind längst an einem Punkt angekommen, an dem Metalcore allein als Genrebezeichnung nicht mehr ausreicht. Auf ihrem neuen Album „TANZNEID“ treffen harte Gitarren, Breakdowns und Screams erneut auf Eurodance, EDM, Pop, Punk und bewusst überzeichneten Humor. Dabei geht die deutsche Band noch konsequenter vor als auf dem erfolgreichen Vorgänger „TEKKNO“.
„TANZNEID“ erscheint am 7. August 2026 über Century Media Records und umfasst 14 Tracks. Neben eigenen Songs finden sich darauf Kollaborationen mit BABYMETAL und The Offspring, eine Neuinterpretation des Sum-41-Klassikers „Still Waiting“ sowie mehrere Remixe.
Die entscheidende Frage lautet deshalb weniger, ob Electric Callboy ihren Stil verändern. Viel spannender ist: Kann die ungewöhnliche Mischung aus Metal und Clubmusik auch über ein komplettes neues Album hinweg noch überraschen?
Albumcover: Electric Callboy „TANZNEID“ © 2026, Quelle: Spotify, Rechte bei den jeweiligen Rechteinhabern
TANZNEID führt den Sound von TEKKNO konsequent weiter
Mit „TEKKNO“ gelang Electric Callboy 2022 der endgültige internationale Durchbruch. Songs wie „We Got The Moves“, „Pump It“ und zuvor „Hypa Hypa“ etablierten eine musikalische Formel, die eigentlich kaum funktionieren dürfte: massive Metalcore-Riffs treffen auf Dance-Beats, Synthesizer, Pop-Hooks und eine gehörige Portion Selbstironie.
Das Konzept erwies sich als ausgesprochen erfolgreich. Die Band nennt für „TEKKNO“ eine Nummer-eins-Platzierung, Gold-Auszeichnungen und insgesamt fast eine Milliarde Streams.
„TANZNEID“ versucht deshalb nicht, diese Formel künstlich zu zerstören. Stattdessen wird sie erweitert und an einigen Stellen zugespitzt. Century Media beschreibt das Album entsprechend als Mischung aus Metalcore, EDM und Pop mit großen Hooks, Club-Momenten und Kollaborationen.
Das Ergebnis wirkt weniger wie ein radikaler Neustart als wie die nächste Evolutionsstufe dessen, was Electric Callboy inzwischen zu einer unverwechselbaren Band gemacht hat.
Electric Callboy – TANZNEID: Alle Songs im Track-by-Track-Check
1. TANZNEID
Der Titelsong bringt die aktuelle Formel von Electric Callboy auf den Punkt: harte Gitarren, elektronische Beats und ein Refrain, der gleichermaßen für Festival-Moshpit und Dancefloor gemacht ist. „TANZNEID“ funktioniert damit hervorragend als programmatischer Einstieg in das Album und macht sofort deutlich, wie stark Metal und Clubmusik inzwischen miteinander verschmolzen sind.
2. RATATATA feat. BABYMETAL
„RATATATA“ gehört zu den auffälligsten Kollaborationen der Band. Electric Callboy und BABYMETAL ergänzen sich nahezu ideal, weil beide Acts harte Musik mit Pop, Elektronik und bewusst überzeichneter Inszenierung verbinden. Der Song lebt von schnellen Wechseln, eingängigen Vocal-Passagen und enormer Energie und zählt zu den offensichtlichsten Live-Höhepunkten des Albums.
3. Hypercharged
Der Name ist Programm: „Hypercharged“ setzt auf hohes Tempo, elektronische Sounds und eine Produktion, die kaum Raum zum Durchatmen lässt. Durch die Verbindung mit „Brawl Stars“ besitzt der Track zudem einen starken Gaming-Bezug. Musikalisch wirkt er wie ein komprimierter Adrenalinschub und passt hervorragend zur grellen digitalen Ästhetik von Electric Callboy.
4. Let The Good Times Roll feat. The Offspring
Bei „Let The Good Times Roll“ trifft moderner Electric-Callboy-Sound auf die Punkrock-DNA von The Offspring. Der Song bringt melodischen Pop-Punk in das elektronische Metal-Konzept des Albums und sorgt damit für einen willkommenen stilistischen Akzent. Gleichzeitig zeigt die Kooperation, wie breit Electric Callboy ihre musikalischen Einflüsse inzwischen aufstellen.
5. Elevator Operator
„Elevator Operator“ ist Electric Callboy in nahezu idealtypischer Form: eine zunächst absurde Idee, ein extrem eingängiger Hook und ein Arrangement, das ständig zwischen Dancefloor und Metal-Abriss wechselt. Gerade dieser spielerische Umgang mit Kontrasten macht den Track zu einem der charakteristischsten Songs des Albums.
6. Heartclub
Mit „Heartclub“ rückt die härtere Seite der Band stärker in den Vordergrund. Die Gitarren bekommen mehr Gewicht, die Vocals wirken aggressiver und die Metalcore-Wurzeln treten deutlicher hervor. Dadurch bildet der Song einen wichtigen Gegenpol zu den stärker auf Pop und Dance ausgerichteten Stücken.
7. The Way You Are
„The Way You Are“ spielt zunächst mit der Ästhetik einer klassischen Boyband-Ballade, bevor Electric Callboy das Konzept mit voller Wucht auseinandernehmen. Gerade dieser abrupte Kontrast zwischen süßlichem Pop und extremer Härte macht den Song interessant. Das Prinzip erinnert an frühere Überraschungsmomente der Band, wird hier aber besonders konsequent umgesetzt.
8. Still Waiting feat. Frank Zummo
Mit „Still Waiting“ greifen Electric Callboy einen bekannten Song von Sum 41 auf und übertragen ihn in ihre eigene Klangwelt. Die Pop-Punk-Basis bleibt erkennbar, bekommt aber durch härtere Gitarren und moderne Produktion einen neuen Rahmen. Die Beteiligung von Frank Zummo sorgt zusätzlich für eine direkte Verbindung zum Originalkontext.
9. The Savior
„The Savior“ schlägt einen etwas ernsteren Ton an und setzt weniger stark auf offensichtlichen Humor oder einen einzelnen großen Gimmick-Moment. Stattdessen stehen harte Riffs und elektronische Elemente stärker als geschlossenes Arrangement im Mittelpunkt. Der Track zeigt damit, dass Electric Callboy auch ohne permanente Pointe funktionieren können.
10. Revery
„Revery“ bringt mehr Atmosphäre und Melancholie in das Album – zumindest das, was bei der Band noch so eben als Melancholie durchgehen würde. Nach zahlreichen energiegeladenen Tracks wirkt der Song wie ein bewusster Kontrast und öffnet den Sound in eine emotionalere Richtung – aber nicht für lange. Gerade diese weniger überdrehte Grundstimmung sorgt dafür, dass „TANZNEID“ nicht ausschließlich auf permanente Eskalation setzt.
11. We Got The Moves – Sullivan King Remix
Sullivan King nimmt sich mit „We Got The Moves“ einen der bekanntesten Songs von Electric Callboy vor und verschiebt den Schwerpunkt noch stärker in Richtung elektronischer Härte. Der Remix verstärkt insbesondere die Verbindung zwischen Metal und Bass Music und zeigt, wie problemlos das Material der Band auch außerhalb klassischer Rock- und Metalstrukturen funktioniert.
12. TANZNEID – Paolo Ferrara Remix
Paolo Ferrara verwandelt den Titelsong noch deutlicher in einen Clubtrack. Die Metal-Elemente treten zugunsten eines konsequent elektronischen Ansatzes stärker zurück. Dadurch wirkt der Remix weniger wie eine alternative Metal-Version und eher wie eine Fortsetzung des Albums für den Dancefloor.
13. Hypercharged – Paul Elstak Remix
Bei „Hypercharged“ trifft Electric Callboy auf einen der bekanntesten Namen der niederländischen Hardcore- und Gabber-Szene. Paul Elstak verschärft den ohnehin bereits hektischen Charakter des Originals noch einmal und führt den Song konsequent in Richtung Hardcore-Techno. Damit gehört der Remix zu den logischsten elektronischen Erweiterungen des Albums.
14. Revery – Sullivan King Remix
Der zweite Sullivan-King-Remix setzt ausgerechnet beim atmosphärischen „Revery“ an. Dadurch entsteht ein deutlicher Kontrast zum ursprünglichen Song. Wo das Original mehr Raum und Stimmung zulässt, rückt der Remix elektronische Härte und zusätzliche Energie in den Vordergrund.
Welche Songs auf TANZNEID stechen besonders hervor?
Zu den unmittelbarsten Highlights gehören „TANZNEID“, „RATATATA“, „Elevator Operator“ und „The Way You Are“, weil sie die typischen Stärken von Electric Callboy besonders deutlich bündeln: starke Hooks, harte Stilwechsel, Humor und eine Produktion zwischen Metal und Clubmusik.
Wer die härtere Seite der Band bevorzugt, dürfte dagegen besonders an „Heartclub“ Gefallen finden. „Revery“ fällt wiederum durch seinen atmosphärischeren Charakter aus dem Rahmen und sorgt innerhalb des Albums für einen wichtigen Ruhepol.
Die vier abschließenden Remixe sind weniger als eigenständiges zweites Albumviertel zu verstehen, sondern vielmehr als Bonusmaterial. Sie führen konsequent weiter, was „TANZNEID“ ohnehin auszeichnet: die Idee, dass zwischen Metal-Festival und elektronischem Club keine feste Grenze existieren muss.
Wo liegen die Stärken von TANZNEID?
Die größte Stärke von „TANZNEID“ ist gleichzeitig das zentrale Erfolgsrezept von Electric Callboy: Die Band behandelt unterschiedliche Genres nicht mit Ehrfurcht.
Metalcore darf auf Eurodance treffen. Pop-Punk darf neben Techno stehen. Eine Boyband-Ballade darf innerhalb kürzester Zeit in extreme Härte kippen.
Entscheidend ist, dass diese Kombination inzwischen nicht mehr wie ein Gimmick wirkt. Electric Callboy haben daraus eine eigene musikalische Sprache entwickelt.
Hinzu kommt ein ausgeprägtes Gespür für Hooks. Hinter all den Breakdowns, Synthesizern, Kostümen und absurden Ideen stehen Songs, deren Refrains bewusst schnell im Gedächtnis bleiben.
Wo liegen die Schwächen des Albums?
Der größte Kritikpunkt ergibt sich aus der ungewöhnlich langen Veröffentlichungsphase.
Von den zehn regulären Songs waren viele bereits vor dem Albumrelease als Singles bekannt. Dazu gehören unter anderem „RATATATA“, „Elevator Operator“, „Revery“, „TANZNEID“, „Still Waiting“, „Hypercharged“, „Let The Good Times Roll“ und „The Way You Are“.
Wer Electric Callboy intensiv verfolgt hat, bekommt am Veröffentlichungstag deshalb deutlich weniger vollkommen unbekanntes Material als bei einem klassischen Albumrelease.
Das verändert das Hörerlebnis. „TANZNEID“ funktioniert stellenweise eher wie die Zusammenführung einer mehrjährigen kreativen Phase als wie ein Album, dessen komplette Welt sich erst am ersten Tag öffnet.
Andererseits haben gerade die vielen Singles dazu geführt, dass einzelne Songs genügend Raum bekamen, um sich zu etablieren.
Fazit: TANZNEID perfektioniert den Electric-Callboy-Sound
Mit „TANZNEID“ erfinden sich Electric Callboy nicht neu – und genau das dürfte die richtige Entscheidung sein.
Statt nach dem Erfolg von „TEKKNO“ zwanghaft einen vollkommen anderen Weg einzuschlagen, verfeinert die Band ihre inzwischen unverwechselbare Mischung aus Metalcore, EDM, Pop, Punk und Humor.
BABYMETAL passen hervorragend in dieses Konzept, The Offspring erweitern den Sound um eine nostalgische Punkrock-Komponente und Stücke wie „Heartclub“ oder „Revery“ zeigen, dass hinter den Party-Hymnen weiterhin eine Band steckt, die auch härtere und atmosphärischere Akzente setzen kann.
Der einzige wirkliche Nachteil liegt im Release-Modell: Wer jede Single verfolgt hat, kennt einen großen Teil des Materials bereits.
Als Gesamtpaket zeigt „TANZNEID“ jedoch ziemlich eindrucksvoll, wie weit Electric Callboy ihre einst ungewöhnliche Nische inzwischen ausgebaut haben. Was früher wie eine absurde Kombination aus Metalcore und Eurodance wirkte, ist längst zu einem eigenen Stil geworden.
Und genau darin liegt die eigentliche Leistung dieses Albums: Electric Callboy müssen Genregrenzen inzwischen nicht mehr sprengen – sie spielen einfach so, als hätte es sie nie gegeben.
„TANZNEID“ von Electric Callboy ist ab sofort erhältlich und kann unter anderem auf Spotify angehört werden.
Zur offiziellen Seite des Künstler: Electric Callboy – Official Homepage
FAQ zu Electric Callboy – TANZNEID
Wann erscheint das neue Electric-Callboy-Album TANZNEID?
„TANZNEID“ erscheint am 7. August 2026 über Century Media Records.
Wie viele Songs hat TANZNEID?
Das Album umfasst 14 Tracks. Die ersten zehn Titel bilden das reguläre Album, anschließend folgen vier Remixe.
Welche Gäste sind auf TANZNEID zu hören?
Zu den prominentesten Kollaborationen gehören BABYMETAL bei „RATATATA“ und The Offspring bei „Let The Good Times Roll“. Bei „Still Waiting“ ist außerdem Frank Zummo beteiligt.
Welches Genre ist Electric Callboy – TANZNEID?
„TANZNEID“ kombiniert vor allem Metalcore und elektronische Tanzmusik. Darüber hinaus finden sich Einflüsse aus EDM, Trance, Pop, Punkrock und teilweise extrem härteren Metal-Spielarten. Century Media selbst beschreibt das Album als Verbindung aus Metalcore, EDM und Pop.
Ist TANZNEID der Nachfolger von TEKKNO?
Ja. „TANZNEID“ ist das neue Studioalbum nach „TEKKNO“ von 2022, mit dem Electric Callboy international einen erheblichen Popularitätsschub erreichten.
Welche Songs wurden vor TANZNEID bereits veröffentlicht?
Vor dem Album erschienen unter anderem „RATATATA“, „Elevator Operator“, „Revery“, „TANZNEID“, „Still Waiting“, „Hypercharged“, „Let The Good Times Roll“ und „The Way You Are“.
Wo kann man TANZNEID von Electric Callboy hören?
Das Album ist auf den gängigen Streamingplattformen verfügbar. Direkt zu Spotify geht es hier: Electric Callboy – TANZNEID auf Spotify.


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