Wer sich etwas genauer mit einem Plattenspieler beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff Antiskating. Besonders bei manuellen oder hochwertigeren Plattenspielern findet sich neben der Einstellung für die Auflagekraft häufig ein zusätzlicher Regler, ein kleines Gewicht oder ein Mechanismus mit der Bezeichnung „Anti-Skating“. Doch was ist Antiskating eigentlich, warum benötigt ein Plattenspieler diese Funktion und wie stellt man sie richtig ein? Genau darum geht es in diesem Tutorial.
Vereinfacht gesagt gleicht Antiskating eine Kraft aus, die den Tonarm während des Abspielens einer Schallplatte zur Plattenmitte zieht. Ohne diese Gegenkraft kann die Abtastnadel stärker gegen eine Seite der Plattenrille gedrückt werden. Das kann sowohl den Klang als auch den Verschleiß von Nadel und Schallplatte beeinflussen.
Was ist Antiskating?
Antiskating ist eine mechanische oder magnetische Gegenkraft am Tonarm eines Plattenspielers. Sie soll verhindern, dass der Tonarm beziehungsweise die Abtastnadel während des Abspielens zu stark nach innen in Richtung Plattenmitte gezogen wird.
Diese nach innen wirkende Kraft wird häufig als Skating-Kraft bezeichnet.
Das Antiskating erzeugt deshalb eine entgegengesetzte Kraft nach außen. Ziel ist es, die Nadel möglichst gleichmäßig zwischen den beiden Flanken der Schallplattenrille zu führen.
Das ist insbesondere deshalb relevant, weil eine Stereo-Schallplatte ihre beiden Audiokanäle auf unterschiedlichen Rillenflanken speichert.
Warum entsteht die Skating-Kraft überhaupt?
Um zu verstehen, was Antiskating beim Plattenspieler bewirkt, muss man zunächst einen Blick auf die Geometrie eines klassischen Drehtonarms werfen.
Bei den meisten HiFi-Plattenspielern ist der Tonarm an einem festen Drehpunkt gelagert. Die Nadel bewegt sich während des Abspielens jedoch entlang einer kreisförmigen Bahn über die Schallplatte.
Gleichzeitig entsteht zwischen Nadel und Plattenrille Reibung. Durch die Kröpfung des Tonarms beziehungsweise des Tonabnehmers wirkt diese Reibung nicht exakt in Richtung des Tonarmlagers.
Dadurch entsteht eine seitliche Kraftkomponente.
Diese zieht den Tonarm tendenziell zur Mitte der Schallplatte.
Skating ist keine aktive Bewegung des Tonarms
Dabei ist wichtig: Die Skating-Kraft ist nicht dafür verantwortlich, dass sich der Tonarm beim Abspielen grundsätzlich nach innen bewegt.
Der Tonarm folgt ohnehin der spiralförmig geschnittenen Rille.
Skating bezeichnet vielmehr die zusätzliche seitliche Kraft, die durch die Kombination aus Reibung, Tonarmgeometrie und Abtastwinkel entsteht.
Antiskating versucht, genau diese Kraft möglichst sinnvoll zu kompensieren.
Warum ist Antiskating wichtig?
Eine falsch eingestellte oder vollständig fehlende Antiskating-Kraft muss nicht zwangsläufig sofort zu deutlich hörbaren Problemen führen. Dennoch kann eine korrekte Einstellung insbesondere bei anspruchsvollen Musikpassagen Vorteile bringen.
Gleichmäßigere Belastung der Rillenflanken
Bei einer Stereo-Schallplatte trägt jede der beiden Rillenflanken einen Teil der Musikinformation.
Wenn die Nadel aufgrund einer zu hohen Skating-Kraft stärker gegen eine Rillenwand gedrückt wird, verteilt sich die mechanische Belastung nicht mehr optimal.
Eine passende Antiskating-Einstellung unterstützt deshalb eine möglichst gleichmäßige Abtastung.
Bessere Kanalbalance
Eine stark fehlerhafte Antiskating-Einstellung kann sich theoretisch auch auf die Balance zwischen linkem und rechtem Kanal auswirken.
In der Praxis spielen dabei allerdings noch weitere Faktoren eine Rolle, beispielsweise:
- Azimut des Tonabnehmers
- korrekte Tonabnehmermontage
- Auflagekraft
- Zustand der Nadel
- Qualität der Schallplatte
Antiskating sollte daher immer als Teil der gesamten Tonarm- und Tonabnehmerjustage betrachtet werden.
Weniger Verzerrungen bei schwierigen Passagen
Besonders laute oder dynamisch stark modulierte Passagen stellen hohe Anforderungen an die Abtastung.
Ist das Antiskating deutlich falsch eingestellt, kann die Nadel auf einer Rillenflanke früher Schwierigkeiten bekommen. Daraus können Verzerrungen entstehen, die teilweise bevorzugt auf einem der beiden Stereokanäle hörbar sind.
Gleichmäßigerer Verschleiß
Da sowohl Tonabnehmernadel als auch Schallplatte mechanischem Verschleiß unterliegen, ist eine möglichst gleichmäßige Belastung sinnvoll.
Eine korrekt eingestellte Auflagekraft und ein angemessenes Antiskating tragen gemeinsam dazu bei, unnötig einseitigen Verschleiß zu vermeiden.
Wie funktioniert Antiskating beim Plattenspieler?
Je nach Hersteller und Tonarm kommen verschiedene technische Lösungen zum Einsatz.
Das Ziel bleibt jedoch grundsätzlich gleich: Eine kontrollierte Kraft zieht den Tonarm leicht nach außen und wirkt damit der Skating-Kraft entgegen.
Antiskating über Federmechanismus
Sehr verbreitet ist eine mechanische Konstruktion mit einer Feder.
Über einen Drehregler lässt sich die Federspannung verändern. Je höher die eingestellte Zahl, desto größer fällt in der Regel auch die Antiskating-Kraft aus.
Auf vielen Plattenspielern reicht die Skala beispielsweise von 0 bis 3 oder von 0 bis 5.
Antiskating mit Gewicht und Faden
Bei einigen Tonarmen wird das Antiskating über ein kleines Gewicht realisiert.
Das Gewicht hängt an einem dünnen Faden und wird über eine Führung oder mehrere Kerben geführt. Je nachdem, an welcher Position der Faden eingehängt wird, verändert sich die wirkende Gegenkraft.
Diese Konstruktion sieht vergleichsweise simpel aus, kann technisch jedoch sehr präzise funktionieren.
Magnetisches Antiskating
Bei anderen Tonarmen wird die Gegenkraft magnetisch erzeugt.
Dabei können sich zwei Magnete gegenseitig abstoßen oder andere magnetische Konstruktionen eingesetzt werden. Ein Vorteil besteht darin, dass weniger mechanischer Kontakt innerhalb des Systems erforderlich ist.
Welche Lösung besser ist, lässt sich allerdings nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist vielmehr, wie sauber der jeweilige Hersteller die Konstruktion umgesetzt hat.
Wie stellt man Antiskating richtig ein?
Die wichtigste Faustregel lautet:
Der Antiskating-Wert wird zunächst ungefähr entsprechend der eingestellten Auflagekraft gewählt.
Benötigt ein Tonabnehmer beispielsweise eine Auflagekraft von 2,0 Gramm, kann der Antiskating-Regler als Ausgangspunkt ebenfalls auf ungefähr 2 gestellt werden.
Dabei handelt es sich allerdings lediglich um eine Grundeinstellung.
Beispiel für die Grundeinstellung
Angenommen, der Tonabnehmerhersteller empfiehlt eine Auflagekraft zwischen 1,8 und 2,2 Gramm.
Wird eine Auflagekraft von 2,0 Gramm eingestellt, beginnt man typischerweise mit:
Auflagekraft: 2,0 g
Antiskating: etwa 2
Anschließend kann überprüft werden, ob das System sauber abtastet.
Zuerst die Auflagekraft, dann Antiskating einstellen
Antiskating sollte niemals isoliert eingestellt werden.
Die richtige Reihenfolge bei der Grundeinstellung eines Plattenspielers lautet normalerweise:
- Plattenspieler exakt waagerecht aufstellen.
- Tonarm ausbalancieren.
- Vom Tonabnehmerhersteller empfohlene Auflagekraft einstellen.
- Antiskating passend zur Auflagekraft einstellen.
- Gegebenenfalls Tonabnehmerausrichtung und weitere Parameter überprüfen.
Der Grund dafür ist einfach: Die Skating-Kraft hängt unter anderem von der Auflagekraft ab.
Wird die Auflagekraft später verändert, sollte daher auch die Antiskating-Einstellung erneut kontrolliert werden.
Auflagekraft und Antiskating sind nicht dasselbe
Gerade Einsteiger verwechseln diese beiden Einstellungen gelegentlich.
Die Auflagekraft bestimmt, mit welcher vertikalen Kraft die Nadel in der Plattenrille liegt.
Das Antiskating wirkt dagegen seitlich auf den Tonarm.
Beide Kräfte erfüllen somit unterschiedliche Aufgaben.
Eine hohe Antiskating-Einstellung kann eine falsch eingestellte Auflagekraft nicht ausgleichen – und umgekehrt.
Wie genau muss Antiskating eingestellt werden?
Hier wird es etwas komplizierter. Die Skating-Kraft bleibt während des Abspielens nicht unter allen Bedingungen konstant.
Sie hängt unter anderem ab von:
- Auflagekraft
- Nadelschliff
- Reibungsverhältnissen
- Position der Nadel auf der Schallplatte
- Tonarmgeometrie
- Modulation der Schallplattenrille
Deshalb kann eine einfache Skala am Plattenspieler keine physikalisch perfekte Kompensation für jede Position einer Schallplatte liefern.
Für den praktischen HiFi-Betrieb ist das jedoch normalerweise auch nicht notwendig.
Die Herstellerangabe beziehungsweise eine Einstellung ungefähr entsprechend der Auflagekraft ist bei vielen Tonarmen ein sinnvoller Ausgangspunkt.
Kann man Antiskating mit einer Testschallplatte einstellen?
Ja. Für eine präzisere Kontrolle gibt es spezielle Testschallplatten.
Diese enthalten beispielsweise Testsignale mit steigender Aussteuerung. Damit lässt sich kontrollieren, wann Verzerrungen auf dem linken oder rechten Kanal einsetzen.
Idealerweise sollten beide Kanäle bei vergleichbarer Belastung möglichst ähnlich reagieren.
Wenn ein Kanal deutlich früher verzerrt, kann eine vorsichtige Korrektur des Antiskatings sinnvoll sein.
Testschallplatten nicht überbewerten
Auch diese Methode hat Grenzen.
Sehr stark ausgesteuerte Testsignale entsprechen nicht zwangsläufig den Bedingungen einer normalen Musikschallplatte. Eine Einstellung, die einen extremen Tracking-Test perfekt bewältigt, muss deshalb nicht automatisch für jede normale Platte optimal sein.
Testschallplatten sind daher ein Hilfsmittel – keine absolute Referenz für jede Tonarm-Tonabnehmer-Kombination.
Funktioniert die Einstellung mit einer glatten Schallplatte?
Im Internet findet man häufig den Tipp, das Antiskating auf einer glatten, rillenlosen Oberfläche einzustellen.
Dabei wird die Nadel auf eine glatte Testfläche gesetzt. Anschließend verändert man das Antiskating so lange, bis der Tonarm möglichst wenig nach innen oder außen wandert.
Diese Methode ist allerdings nur bedingt aussagekräftig.
Warum eine glatte Fläche problematisch ist
Bei einer normalen Schallplatte befindet sich die Nadel innerhalb einer modulierten Rille. Dabei wirken andere Reibungsverhältnisse als auf einer glatten Oberfläche.
Der Kontakt zwischen Nadel und Rille lässt sich deshalb nicht vollständig durch eine blanke Vinylfläche simulieren.
Eine solche Methode kann eine grobe Orientierung liefern, sollte aber nicht als alleinige Grundlage für eine besonders präzise Einstellung betrachtet werden.
Woran erkennt man falsch eingestelltes Antiskating?
Ein leicht abweichender Antiskating-Wert verursacht nicht automatisch sofort hörbare Probleme.
Bei deutlich falschen Einstellungen können jedoch verschiedene Symptome auftreten.
Antiskating ist zu niedrig
Ist die Gegenkraft zu gering, wirkt die Skating-Kraft stärker in Richtung Plattenmitte.
Mögliche Folgen können sein:
- einseitig höhere Belastung einer Rillenflanke
- unterschiedliche Verzerrungen zwischen linkem und rechtem Kanal
- schlechteres Tracking bei schwierigen Passagen
- langfristig ungleichmäßiger Verschleiß
Antiskating ist zu hoch
Auch zu viel Antiskating ist nicht sinnvoll.
In diesem Fall wird der Tonarm stärker nach außen gezogen als notwendig. Dadurch verlagert sich die Belastung auf die gegenüberliegende Rillenflanke.
Das Ziel lautet deshalb nicht „möglichst viel Antiskating“, sondern eine möglichst ausgewogene Kompensation.
Sollte Antiskating exakt der Auflagekraft entsprechen?
Nicht zwangsläufig.
Die Einstellung Antiskating = Auflagekraft ist zunächst eine praktische Faustregel und bei vielen Plattenspielern ausdrücklich als Grundeinstellung vorgesehen.
Eine Skala mit der Zahl „2“ bedeutet jedoch nicht automatisch, dass exakt eine physikalisch definierte Gegenkraft entsprechend einer Auflagekraft von 2 Gramm erzeugt wird.
Die Skalen verschiedener Tonarme sind untereinander nicht unmittelbar vergleichbar.
Zudem kann der verwendete Nadelschliff eine Rolle spielen.
Welchen Einfluss hat der Nadelschliff?
Tonabnehmer können unterschiedliche Schliffe besitzen, beispielsweise:
- sphärisch
- elliptisch
- MicroLine
- Shibata
- Fine Line
Diese Schliffe unterscheiden sich in ihrer Kontaktfläche zur Plattenrille.
Dadurch können sich auch die Reibungsverhältnisse verändern. Bei hochwertigen Tonabnehmern und anspruchsvollen Nadelschliffen kann eine präzise Einstellung deshalb besonders sinnvoll sein.
Dennoch sollte zunächst immer die Empfehlung des Tonabnehmer- beziehungsweise Tonarmherstellers berücksichtigt werden.
Muss man Antiskating bei jedem Plattenspieler einstellen?
Nein.
Bei vielen einfachen oder vollautomatischen Plattenspielern ist das Antiskating intern festgelegt oder automatisch mit der Auflagekraft gekoppelt.
Der Anwender findet dann keinen separaten Regler.
Bei vielen manuellen HiFi-Plattenspielern gehört eine individuell einstellbare Antiskating-Funktion dagegen zur Standardausstattung.
Plattenspieler ohne Antiskating-Regler
Fehlt ein entsprechender Regler, bedeutet das also nicht automatisch, dass der Hersteller das Thema ignoriert hat.
Bei Plattenspielern mit vormontiertem Tonabnehmer und fest definierter Auflagekraft kann das Antiskating bereits konstruktiv auf das System abgestimmt sein.
Muss Antiskating bei einem Tonabnehmerwechsel neu eingestellt werden?
Ja, insbesondere dann, wenn sich die erforderliche Auflagekraft verändert.
Ein neuer Tonabnehmer kann eine vollkommen andere empfohlene Auflagekraft besitzen.
Wird beispielsweise von einem System mit 1,5 Gramm auf einen Tonabnehmer mit 2,2 Gramm Auflagekraft gewechselt, sollte auch das Antiskating entsprechend neu eingestellt und überprüft werden.
Darüber hinaus sollte bei einem Tonabnehmerwechsel grundsätzlich die komplette Justage kontrolliert werden.
Dazu gehören unter anderem:
Auflagekraft
Sie sollte innerhalb des vom Tonabnehmerhersteller empfohlenen Bereichs liegen.
Überhang und Kröpfung
Der Tonabnehmer muss passend zur Geometrie des Tonarms ausgerichtet sein.
Azimut
Die Nadel sollte möglichst korrekt in der Rille stehen.
Vertikaler Abtastwinkel
Bei Tonarmen mit entsprechender Einstellmöglichkeit kann außerdem die Tonarmhöhe relevant sein.
Antiskating ist somit lediglich ein Bestandteil einer vollständigen Tonabnehmerjustage.
Sollte man Antiskating nach Gehör einstellen?
Eine Feinabstimmung nach Gehör ist grundsätzlich möglich, allerdings benötigt man dafür geeignetes Musikmaterial und etwas Erfahrung.
Besonders hilfreich können Passagen sein, die:
- stark ausgesteuert sind
- klare Stimmen enthalten
- hohe Frequenzen wiedergeben
- nahe am Ende einer Plattenseite liegen
Treten beispielsweise auf einem Kanal deutlich früher Verzerrungen auf, kann dies ein Hinweis auf eine nicht optimale Einstellung sein.
Allerdings sollte man nicht vorschnell am Antiskating drehen. Auch ein schlecht justierter Tonabnehmer, eine verschmutzte Nadel oder eine beschädigte Schallplatte können sehr ähnliche Symptome verursachen.
Warum sind Verzerrungen zum Ende einer Schallplatte besonders interessant?
Je näher sich die Nadel der Plattenmitte nähert, desto geringer wird die lineare Geschwindigkeit der Rille unter der Nadel.
Dadurch wird die Abtastung anspruchsvoller.
Insbesondere hohe Frequenzen und stark ausgesteuerte Passagen können gegen Ende einer Plattenseite schwieriger sauber wiedergegeben werden.
Diese sogenannten Inner Groove Distortions haben jedoch nicht ausschließlich mit Antiskating zu tun.
Auch Tonabnehmerjustage, Nadelschliff und die Qualität des ursprünglichen Plattenschnitts spielen eine wichtige Rolle.
Antiskating kann deshalb zwar Teil der Lösung sein, ist jedoch nicht automatisch die Ursache jeder Verzerrung am Ende einer Platte.
Kann falsches Antiskating die Schallplatte beschädigen?
Eine geringfügige Abweichung führt normalerweise nicht unmittelbar zu einer beschädigten Schallplatte.
Problematischer wird es, wenn über längere Zeit mit deutlich falscher Auflagekraft oder einer stark fehlerhaften Tonarmjustage gearbeitet wird.
Grundsätzlich sollte die Nadel möglichst kontrolliert und mit den vorgesehenen Kräften durch die Rille geführt werden.
Besonders kritisch ist übrigens häufig eine zu niedrige Auflagekraft.
Dann kann die Nadel bei schwierigen Passagen den sicheren Kontakt zur Rille verlieren. Dadurch kann es zu deutlich höheren punktuellen Belastungen kommen.
Deshalb sollte man einen Tonabnehmer nicht bewusst mit möglichst niedriger Auflagekraft betreiben, sondern sich an den empfohlenen Bereich des Herstellers halten.
Antiskating richtig einstellen: praktische Kurzanleitung
Wer seinen Plattenspieler neu einrichtet, kann sich an folgendem Ablauf orientieren.
1. Plattenspieler waagerecht aufstellen
Zunächst sollte der Plattenspieler möglichst exakt waagerecht stehen. Eine Wasserwaage hilft bei der Kontrolle.
2. Tonarm ausbalancieren
Bei einem klassischen Tonarm mit Gegengewicht wird das Antiskating zunächst auf null gestellt.
Anschließend wird das Gegengewicht so eingestellt, dass der Tonarm möglichst frei und waagerecht schwebt.
3. Auflagekraft einstellen
Nun wird die vom Tonabnehmerhersteller empfohlene Auflagekraft eingestellt.
Besonders präzise gelingt dies mit einer digitalen Tonarmwaage.
4. Antiskating einstellen
Anschließend wird das Antiskating ungefähr auf den Wert der Auflagekraft eingestellt.
Bei 1,8 Gramm Auflagekraft beginnt man beispielsweise mit einem Antiskating-Wert von etwa 1,8 beziehungsweise der nächstliegenden Markierung.
5. Wiedergabe kontrollieren
Nun können verschiedene gut erhaltene Schallplatten abgespielt werden.
Dabei sollte auf saubere Wiedergabe, stabile Kanalbalance und mögliche Verzerrungen geachtet werden.
Wer eine geeignete Testschallplatte besitzt, kann anschließend eine feinere Kontrolle durchführen.
Braucht man für Antiskating eine Tonarmwaage?
Für das Antiskating selbst nicht unmittelbar.
Eine Tonarmwaage misst die vertikale Auflagekraft und nicht die seitliche Antiskating-Kraft.
Da das Antiskating jedoch normalerweise auf Basis der Auflagekraft eingestellt wird, ist eine genaue Messung trotzdem sinnvoll.
Insbesondere bei höherwertigen Tonabnehmern lohnt sich eine digitale Tonarmwaage, da die Skala am Gegengewicht nicht bei jedem Tonarm vollkommen exakt sein muss.
Was passiert beim Absenken des Tonarms?
Bei korrekt eingestelltem Antiskating kann sich der Tonarm während des Absenkens über den Tonarmlift leicht seitlich bewegen.
Eine kleine Bewegung ist nicht zwangsläufig ein Zeichen für einen Defekt.
Bewegt sich der Tonarm allerdings stark nach außen oder nach innen, sollte man kontrollieren:
- ob der Plattenspieler waagerecht steht
- ob die Auflagekraft korrekt eingestellt wurde
- ob das Antiskating plausibel eingestellt ist
- ob der Tonarmlift sauber arbeitet
Insbesondere eine glatte oder verschmutzte Liftbank kann dazu führen, dass der Tonarm während des Absenkens seitlich rutscht.
Antiskating bei DJ-Plattenspielern
Bei DJ-Plattenspielern gelten teilweise andere Anforderungen als bei einem reinen HiFi-System.
Beim normalen Vorwärtsspielen kann das Antiskating ähnlich eingestellt werden wie bei einem HiFi-Plattenspieler.
Beim Scratchen oder Rückwärtsbewegen der Platte verändern sich jedoch die mechanischen Bedingungen erheblich. Deshalb nutzen DJs abhängig von Tonabnehmer, Auflagekraft und Arbeitsweise häufig spezielle Einstellungen.
Für die reine HiFi-Wiedergabe sollte man sich dagegen grundsätzlich an die Empfehlungen des Herstellers halten.
Die häufigsten Fehler bei der Antiskating-Einstellung
Ein häufiger Fehler besteht darin, Antiskating isoliert zu betrachten.
Wenn ein Plattenspieler verzerrt, wird dann lediglich am Antiskating-Regler gedreht. Tatsächlich kann die Ursache jedoch an einer vollkommen anderen Stelle liegen.
Vor größeren Veränderungen sollten deshalb zunächst Tonabnehmermontage, Auflagekraft und Zustand der Nadel überprüft werden.
Ein weiterer Fehler besteht darin, die Skala als exakt kalibriertes Messinstrument zu betrachten. Bei vielen Tonarmen ist sie eher als praktische Orientierung zu verstehen.
Schließlich sollte auch nicht versucht werden, eine offensichtlich schlechte Tonabnehmerjustage mit einer extremen Antiskating-Einstellung zu kompensieren.
Fazit: Was ist Antiskating beim Plattenspieler?
Antiskating ist eine Gegenkraft, die der nach innen wirkenden Skating-Kraft des Tonarms entgegenwirkt. Dadurch soll die Abtastnadel möglichst gleichmäßig auf beiden Flanken der Schallplattenrille aufliegen.
Eine korrekte Einstellung kann zu sauberem Tracking, gleichmäßiger Kanalwiedergabe und einer möglichst ausgewogenen mechanischen Belastung von Nadel und Schallplatte beitragen.
Für die meisten Anwender ist die Einstellung unkompliziert: Zunächst wird die richtige Auflagekraft eingestellt, anschließend wird das Antiskating ungefähr auf denselben Wert gesetzt.
Wer es genauer wissen möchte, kann anschließend mit hochwertigen Schallplatten oder einer speziellen Testschallplatte eine Feinabstimmung durchführen.
Dabei sollte Antiskating jedoch nie isoliert betrachtet werden. Auflagekraft, Tonabnehmerausrichtung, Nadelschliff und Tonarmgeometrie bilden gemeinsam ein System. Erst wenn diese Faktoren zusammenpassen, kann ein Plattenspieler sein klangliches Potenzial zuverlässig ausschöpfen.
FAQ: Häufige Fragen zu Antiskating
Was bedeutet Antiskating einfach erklärt?
Antiskating ist eine Gegenkraft am Tonarm eines Plattenspielers. Sie wirkt der Kraft entgegen, die die Abtastnadel während des Abspielens zur Plattenmitte zieht.
Wie hoch sollte Antiskating eingestellt werden?
Als Grundeinstellung wird das Antiskating normalerweise ungefähr auf denselben Zahlenwert wie die Auflagekraft eingestellt. Bei 2 Gramm Auflagekraft wäre beispielsweise ein Antiskating-Wert von etwa 2 ein sinnvoller Ausgangspunkt.
Muss Antiskating exakt der Auflagekraft entsprechen?
Nein. Die Regel dient vor allem als Ausgangspunkt. Je nach Tonarm, Tonabnehmer, Nadelschliff und Konstruktion kann eine leicht abweichende Einstellung sinnvoll sein.
Was passiert bei zu viel Antiskating?
Zu viel Antiskating zieht den Tonarm stärker nach außen als erforderlich. Dadurch kann die Nadel eine Rillenflanke stärker belasten und unter Umständen früher Verzerrungen auf einem Kanal erzeugen.
Was passiert bei zu wenig Antiskating?
Ist die Antiskating-Kraft zu gering, wirkt die Skating-Kraft stärker nach innen. Dadurch kann die Belastung zwischen den beiden Rillenflanken ungleichmäßig werden.
Kann man Antiskating nach Gehör einstellen?
Eine Feinabstimmung ist möglich. Dabei sollte man auf einseitige Verzerrungen und Tracking-Probleme achten. Zuvor müssen jedoch Auflagekraft und Tonabnehmerjustage korrekt sein.
Kann ich Antiskating auf einer glatten Schallplatte einstellen?
Eine glatte Fläche kann für eine grobe Orientierung verwendet werden. Die Reibungsverhältnisse unterscheiden sich allerdings von denen einer echten Schallplattenrille, weshalb diese Methode nicht als vollkommen präzise gilt.
Muss Antiskating bei jedem Tonabnehmerwechsel neu eingestellt werden?
In der Regel ja. Besonders wenn sich die empfohlene Auflagekraft ändert, sollte auch die Antiskating-Einstellung angepasst werden.
Hat jeder Plattenspieler Antiskating?
Nicht jeder Plattenspieler besitzt einen sichtbaren Antiskating-Regler. Bei einigen Modellen ist die Gegenkraft werkseitig fest eingestellt oder mit der Auflagekraft gekoppelt.
Kann falsches Antiskating die Nadel beschädigen?
Eine geringfügig falsche Einstellung verursacht normalerweise keinen unmittelbaren Schaden. Eine dauerhaft stark fehlerhafte Justage kann jedoch zu einer ungünstigen Belastung und damit langfristig zu ungleichmäßigem Verschleiß beitragen.


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